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Heilemachknattermaschine

Die Heilemachknattermaschine heilt Barts Fantasie

Es brach ein wunderschöner Tag über dem Wiesental an. Bart wachte wie gewohnt
früher als Joyce auf, die ihren Wollschönheitsschlaf brauchte.
Nach einem ausgiebigen Möhrenfrühstück überlegte er, dass ihm schon lange keine
Idee mehr eingefallen ist. „Das muss sich unbedingt ändern”, murmelte Bart vor sich
hin und griff zu seinem Wollrucksack. Er steckte ein paar Tauschmöhren hinein und
hoppelte hinaus auf die Wiese.
Bart war nicht nur das schnellste Tier im ganzen Wiesental, sondern galt als
ideenreicher Hase. Sei es drum, dass eine gute Idee von Bart ihr Ende nahm, als er
mit den Ohren zum trocknen an der Wäscheleine hing, oder dass er sein Schaf in
letzter Verzweiflung mit einem rettenden Einfall aus der Hasenbibliotek trieb. Es
war keine gute Idee, die Joyce überhaupt dort hin zu führen. Auch wenn mit
„IDEENREICH“ nicht gemeint ist, dass Bart gute Ideen hatte, aber laufend fiel ihm
etwas Neues ein.
Also hoppelte er ins Wiesental hinaus, voller Zuversicht, einen ideenreichen Tag zu
verbringen.Vorbei an den Höflichkeitsstreitern, die schon am frühen Morgen
Nettigkeiten austauschten, vorbei an dem alten Baum, in dem die Hasenbibliothek
ruhte, wobei er prüfte, ob die Möhrentür gut verriegelt war, und dann weiter in
Richtung Hansis Kolonialwaren-geschäft.
Dort ist ja immer was los, sagte sich Bart, vielleicht fällt mir etwas Gutes ein.
Als er sich dem Kolonialwarengeschäft von Hansi näherte, hörte Bart ein seltsames
Knattern. Ein Geräusch, das er noch nie in seinem Leben gehört hatte. Sofort duckte
sich der Hase und seine Ohren richteten sich auf.
Man muss wissen, dass Hasen sehr gute Ohren haben. Nichts entgeht ihnen. Selbst
wenn Joyce mal ihre Lieblingsspeise, Papier, befeuchtete, damit es nicht raschelt,
während sie es kaut, dem Hasen entging nichts. Er hörte alles ganz genau.
Sehen können Hasen genauso gut. Doch nun traute Bart seinen Augen nicht. Er sah
Hansi mit einer komischen Maschine auf Rädern. Diese Maschine machte einen für
Barts empfindliche Ohren unglaublichen Krach.
Noch mehr staunte Bart darüber, was diese Maschine tat. Aus der Maschine flogen
vorne klitzekleine Grashalme heraus, während Hansi das Gerät auf Rädern vor sich
her schob.
Barts Fantasie begann fieberhaft zu arbeiten. Begeistert sagte er sich, wenn Hansi
diese Wundermaschine voranschiebt und kleine Grasfitzel vorne herausfliegen, dann
ist das bestimmt so, dass man kleine Grashalme vorne reinsteckt und lange
Grashalme hinten rauskommen, wenn man die Wundermaschine hinter sich
herzieht. Das ist Hasenlogik.

 

 


 

Bart war so begeistert, dass er beinahe schrie. Vorsichtshalber hielt er sich die
Pfoten vor sein Mäulchen, da ihn Hansi sonst bemerkt hätte.
Nach einer Weile stellte Hansi das knatternde Ding ab und ging in sein Geschäft.
Bart kauerte weiter auf dem Boden und näherte sich langsam der Wundermaschine.
Er konnte es kaum abwarten, seine Pfoten auf die Heilemachknattermaschine zu
legen, so hatte er sie bereits genannt.
Der Hase dachte weiter nach, was man mit der Heilemachknattermaschine alles
wieder heile machen konnte. Alte Möhren, Joycs kleine Papierstücke, die sie auf
einem Haufen aufbewahrte, das schöne Heu und vieles andere mehr, alles wird
wieder heil mit der Heilemachknattermaschine. Vorne kommen allerlei Fitzel
hinein, die hinten zusammengesetzt wieder herauskommen.
So dachte Bart und der Hase wurde immer nervöser und zappeliger.
Er schlich um die Wundermaschine herum, doch nun meldete sich sein Gewissen.
Einfach dem Hansi die Maschine wegnehmen, das gehörte sich nicht. Hasen
tauschen mit Möhren, das ist Hasenbrauch. Bart sagte sich: Hansi merkt gar nicht,
wenn ich mir die Maschine ausleihe. Ich bringe sie ihm ja wieder zurück. Doch
Barts Gewissen entgegnete: So was macht man nicht, Bart, ein Hase nimmt seinem
Hasenfreund nichts weg. Man muss vorher fragen! Ach wo, schwenkte die
Gierstimme in Barts Kopf um, der Hansi ist so ein guter Freund, den muss ich gar
nicht fragen.
Letztlich war die Verlockung jedoch zu groß. Bart holte die Tauschmöhren aus
seinem Wollrucksack heraus. Er legte sie dort hin, wo die Maschine stand. Das war
ein guter Tausch. Hansi würde sich bestimmt freuen. Und ich leihe die Maschine
doch nur aus. Und so beschloss Bart, die Heilemachknattermaschine einfach
heimlich mitzunehmen, ohne Hansi etwas zu sagen.
Er brach auf zurück zum Stall und zog das Gerät umständlich hinter sich her. Ein
wenig erschöpft, doch glücklich und zufrieden kam Bart mit seiner neuen
Wundermaschine im Stall an. Joyce war nicht da, deshalb antwortete sie nicht auf
Barts Begeisterungsrufe, die schon aus der Ferne herandrangen.
Bart war allein mit der Maschine im Stall und niemand war da, um auf den Hasen
aufzupassen. Eine sehr brenzlige Situation. Er betrachtete das Gerät von allen
Seiten. Er schlich mehrfach darum herum, doch wusste er nicht, wie die
Heilemachknattermaschine in Gang gesetzt wird, sodass sie dann zu knattern
anfängt.
Er warf seine Pfoten in die Höhe und rief laut: „Los, fang an zu knattern, du
Heilemachknattermaschine!”

Nichts tat sich.
Bart wurde ungeduldig und schrie die Maschine an: „Wirst du wohl anspringen?”
Wieder tat sich nichts.
Doch wie es der Zufall wollte, kam Bart rein zufällig mit der Pfote an einen roten
Knopf, während er immer wieder um die Maschine herumschlich.
Urplötzlich setzte sich das Ding in Gang, es begann zu rattern, zu knattern und nicht
nur das, sondern es rollte auch sofort los.
Bart machte vor Schreck einen Sprung zur Seite. Der Maschine war das egal. Sie
machte das, was sie konnte. Sie rollte unaufhaltsam voran und wirbelte fleißig das
auf den Boden liegende Heu hoch. Dann kam es vorne als klitzekleine Heufitzel mit
viel Staub wieder heraus.
Bart hüpfte um die Maschine herum und schrie: „Haaaaaalt, Stopp, aufhören. Willst
du wohl stehen bleiben!”
Doch die Heilemachknattermaschine rollte unbeeindruckt geradewegs auf den
schönen Papierhaufen zu, den Joyce sich als Leckerbissen in einer Ecke
aufbewahrte. Und rollte einfach darüber hinweg.
Anstatt hinten glatte große Papierbögen auszuwerfen, wirbelte die Heilemachknattermaschine
das Papier vorne in vielen, noch kleineren Fitzeln hinaus und
gehörig mehr Staub noch dazu.
Sie machte nichts heile, sondern alles nur noch fitzeliger. Bart war verzweifelt.
Langsam merkte er, dass die Maschine nicht das tat, was er sich ausgedacht hatte.
Aber wie stellte man das Knatterding bloß wieder ab? Alles Geschrei half nicht, die
Maschine drehte ihre Runden im Stall, wirbelte Staub auf und vorne flogen
Heufitzel, aber ganz klein gehackt, heraus.
Im allerschnellstem Hasengehoppel rannte Bart los Richtung Kolonialwarengeschäft
und schrie, was seine Stimme hergab: „Hase in Not! Hase in Not!”
Man muss wissen, dass Hasen ein Alarmzeichen haben. Ruft ein Hase den Alarm
„Hase in Not“ aus, legen alle Hasen, die das hören, sofort alles hin und eilen dem
Hasen zu Hilfe. Das ist so Hasenbrauch.
Als Hansi dies hörte, legte er sofort seine Schürze ab und rannte blitzartig aus dem
Laden zu Bart und ihm hinterher, der schon auf den Rückweg zum Stall war.
Im rekordverdächtigem Gehoppel flitzte Bart zurück zum Stall gefolgt vom
rasenden Hansi. Vom weitem sah man Wolken aus dem Stall hinaufsteigen. Aber es
brannte ja nicht, sondern die Heilemachknattermaschine wirbelte so viel Staub auf.

 


 

 

Im Stall angekommen, blieb Hansi zunächst einmal stehen und staunte nicht
schlecht: „Da ist ja mein Rasenmäher”, rief er aus.
„Bitte”, wimmerte Bart, „bitte, stell dieses Monster ab!”
Mit einem Satz sprang Hansi vor die Maschine und drückte auf den roten Knopf.
Sofort blieb der Rasenmäher stehen.
„Wie kommt mein Rasenmäher denn hierher?”, fragte Hansi und schaute sehr
verärgert.
„Aber das ist doch eine Heilemachknattermaschine”, antwortete Bart zaghaft.
„Du dreimal verdummisierter Hase”, schimpfte Hansi, „das ist ein Rasenmäher.
Er schneidet und kürzt Grashalme, damit sie schöner nachwachsen.”
Hansi war verärgert. Nun begriff auch Bart, dass er das, von blühender Fantasie
vernebelt, wohl falsch eingeschätzt hatte. „Aber ich dachte ...”, wimmerte Bart.
Da half jedoch kein Wimmern. Hansi war verärgert darüber, dass sein Freund ihm
nicht einmal gesagt hatte, dass er seinen Rasenmäher mitnimmt. So was macht man
einfach nicht, und schon gar nicht unter Freunden.
Inzwischen traf auch Joyce wieder ein. Sie kehrte zurück von der Wiese
Määhsopotamien, dort, wo wunderschöne Kamelschäfchen leben und mit ihr beste
Wollknäuel tauschten. Denn Schafe tauschen Wollknäuel untereinander so, wie
Hasen untereinander Möhren tauschen. Joyces Wollknäuel waren wiesenweit
berühmt für ihre Flauschigkeit, weil Joyce morgens immer viel länger schlief, was
allerhöchste Wollqualität garantiert.
Joyce war ja schon einigen Unsinn von Bart gewohnt, aber das, was sie jetzt zu
sehen bekam, sprengte alles zuvor Dagewesene.
Der ganze Stall war in heilloser Unordnung. Das Heu war verstreut, aber eben nicht
als Heu, sondern in klitzekleinen, unbrauchbaren Schnipseln, als wäre ein
Rasenmäher darüber gefahren.
Bart hatte ein so schlechtes Gewissen, dass er dem Hansi gar nicht in die Augen
sehen konnte. Er übergab Hansi zwei Entschädigungsmöhren. Hansi war Barts
bester Hasenfreund, nahm die Möhren und man sah, dass sein Ärger sich in
kürzester Zeit legte.
Er zog den unseligen Rasenmäher hinter sich her und verschwand Richtung
Kolonialwarenladen.
Bart wusste auch, was er jetzt zu tun hatte. Ohne ein Wort zu sagen, griff er zum
Besen und begann zu fegen. Die kluge Joyce ließ ihn das zunächst auch alleine
machen.
Der Hase sollte aus seinen Fehlern lernen.
Bis spät in den Abend fegte er den Stall und häufte Heu zusammen. Er keuchte, aber
er beschwerte sich nicht. Seine kleinen Pfoten konnten nur wenig Heu aufnehmen
und nach draußen tragen. Es fiel ihm wirklich schwer.
Joyce konnte nicht mehr mit ansehen, wie Bart sich abmühte. Sie griff zur Schaufel
und half ihm, die klitzekleinen Heuschnipsel hinauszutragen. Schnell waren sie
fertig und Bart setzte sich mit sehr traurigem Gesicht vor Joyce, die ihn umarmte.